Monat 1 — Anforderungsprofil & Markt-Reverse-Engineering
Bevor auch nur ein Lieferant angefragt wurde, hat das Team zusammen mit dem Kunden 12 Wettbewerbsprodukte aus dem DACH-Markt zerlegt und dokumentiert: sowohl Premium-Geräte aus Deutschland als auch billige Import-Ware. Die häufigsten Mängel — die genau nicht im neuen Produkt vorkommen durften — waren:
Undichte O-Ringe an der T33-Vorstufe (Standard-NBR statt lebensmittelechtes EPDM), korrodierende Edelstahl-Gehäuse aus 201er statt 304er Stahl, nicht-lebensmittelechte PP-Filter ohne KTW-A-Freigabe, Steuerventile ohne EU-Zulassung und aufgeklebte Typenschilder, die nach wenigen Monaten Feuchtigkeit ablösen. Diese Liste wurde zum verbindlichen Pflichtenheft für alle folgenden Fabrik-Gespräche. Wer sie nicht erfüllen konnte, war sofort raus.
Monat 2 — Herstelleranalyse, Handelsregister-Check und Werksaudits
Aus einer Longlist von 47 chinesischen Herstellern in Guangdong, Zhejiang und Jiangsu hat das Shanghai-Team in vier Wochen 21 Fabriken vor Ort auditiert. Am Ende blieben sechs Kandidaten übrig — mit klaren Ausschluss- und Einschluss-Kriterien: eigene Spritzguss-Anlagen (keine reine Handelsware), ISO 9001, dokumentierte NSF-Erfahrung, mindestens drei europäische Referenzkunden mit voller Kontaktfreigabe.
Drei dieser Fabriken wurden in Runde 1 zur Musterlieferung eingeladen. Die Auswahl war bewusst konservativ: Lieber ein paar Wochen mehr in der Anbahnung als eine Fehlentscheidung, die später mit einer kompletten Serie bezahlt werden muss. Mehr zum Thema seriöser Auswahlprozess: Qualitätskontrolle in China.
Monat 3 — Prototypenrunde 1: alle drei fallen durch
Die drei Fabriken lieferten je zwei Muster (Ultrafiltrations-System und Enthärter). Kein einziges Muster bestand die interne Prüfung:
Fabrik A hatte undichte Verschraubungen an der T33-Stufe — 2 bar Druckverlust in 24 Stunden. Fabrik B verwendete in der Zuleitung nicht-lebensmittelechtes PVC statt zugesicherter Trinkwasser-Qualität. Fabrik C schaffte die geforderte Filterfeinheit von 0,01 μm nicht — im Test kam die Membran nur auf 0,1 μm, also den Faktor 10 zu grob. Ergebnis: Alle drei Fabriken raus. Keine Kompromisse — der ganze Sinn des Ansatzes war ja, genau diese Mängel des Marktes zu vermeiden.
Monat 4 — Prototypenrunde 2 mit den beiden verbliebenen Fabriken
Die letzten beiden Fabriken der engeren Auswahl bekamen die volle Behandlung: gemeinsame Spezifikations-Workshops mit den chinesischen Konstrukteuren, dolmetscht durch das Shanghai-Team (Deutsch, Englisch, Mandarin am selben Tisch). Die konkreten Konstruktions-Änderungen, die dabei fixiert wurden:
Umstellung auf 304er Edelstahl für alle druckführenden Gehäuseteile, doppelt gedichtete T33-Kartusche mit zwei statt einem O-Ring, KTW-A-konforme EPDM-O-Ringe statt NBR, lasergraviertes statt aufgeklebtes Typenschild, Umstellung des Steuerventils auf ein bereits CE-zertifiziertes Modell eines OEM-Zulieferers. Beide Fabriken lieferten in Runde 2 verwertbare Muster. Eine wurde zum Hauptlieferanten, die andere als Backup-Fabrik in Reserve gehalten — als bewusste Absicherung gegen Klumpenrisiken. Warum das Sinn ergibt: siehe Sourcing-Leistungen.
Monat 5 — Zertifizierung & EU-Compliance
Parallel zur zweiten Prototypenrunde lief bereits die komplette EU-Konformitätsdokumentation an — koordiniert über eine akkreditierte Prüfstelle in Shanghai (TÜV Rheinland Greater China). Abgedeckt wurden:
DVGW-W270 (mikrobiologische Anforderungen an Materialien im Trinkwasserkontakt), KTW-A (Kunststoffe im Trinkwasser), LFGB (Lebensmittelbedarfsgegenstände), RoHS und REACH. Gesamtkosten der Zertifizierung: ~11.400 EUR, komplett durch unser Team koordiniert und beim Kunden gesammelt in Rechnung gestellt. Kein einziger Prüfbericht musste nachgereicht werden — der deutsche Zoll hatte später bei der Erstlieferung nichts zu beanstanden.
Monat 6 — Design-Freeze, Verpackung, Erst-Serie und Verschiffung
Im sechsten Monat wurden Pre-Production-Samples freigegeben, mehrsprachige Handbücher (DE/EN/FR/NL) layoutet, Verpackungen bedruckt und die Container-Kalkulation finalisiert (40′ HQ: 384 Ultrafiltrations-Einheiten oder 288 Enthärter). Die Erst-Serie umfasste 1.850 Einheiten — 1.200 Wasserenthärter und 650 Ultrafiltrations-Systeme — mit einem Warenwert von ~412.000 EUR FOB Ningbo.
Vor der Verladung führte das Shanghai-Team eine Pre-Shipment-Inspection nach AQL 2.5 durch: 99,2 % Pass-Rate, 14 Einheiten wurden nachgebessert, bevor der Container plombiert wurde. Verschiffung Ningbo → Rotterdam, Transitzeit 32 Tage. Beim deutschen Zoll lagen alle Konformitätsdokumente vollständig bei — kein Zollhold, direkter Weiterversand ins Zentrallager des Kunden. Wenn Sie ein ähnliches Vorhaben planen: das gleiche Modell funktioniert genauso für Private Label-Produkte.